Baustelle, die – Substantiv, feminin

Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Die höchsten Mauern baut man immer dann, wenn man sich vorrangig um sein Gegenüber und nicht mehr um sich selbst kümmert. Wenn man sich verbiegt, um dem Anderen zu gefallen und irgendwann vor dem Spiegel steht und sich fragt, wer genau einem da eigentlich gerade in die Augen schaut.

Rückblickend betrachtet war jeder Mann – egal ob als Freund oder Partner – in den vergangenen drei Jahren irgendeine Form von Baustelle. Irgendetwas gab es immer zu reparieren: nicht verarbeitete Ex-Freundinnen, zu kleine Egos, die gescheiterte Ehe, Misserfolge im Berufsleben,… Ich will gar nicht weiter darüber nachdenken, denn Fakt ist eins: Mit Dankbarkeit übersät wurde ich in den seltensten Fällen. Vielmehr verabschiedeten sich die irgendwann geheilten Seelen in ihr altes oder neues Leben und ich mauerte zielsicher einen weiteren Stein.

Während ich also nun doch mal wieder ein Guckloch in meine Mauer gebohrt habe, stehe ich neugierig und wartend dahinter und beäuge das neue Gegenüber. Begierig rutscht mir staccato-artig eine Abfolge wirrer Fragen über die Lippen: Warst Du verheiratet? Hast Du Kinder? Oder vielleicht irgendwie anderweitig unverarbeitete Ex-Frauen? Wie stehst Du zu Treue? Willst Du die wilde Partynacht oder doch lieber Abende zu zweit? Etwas Gemeinsames aufbauen oder auf der faulen Haut liegen? Gehst Du im Streit oder darf ich auch mal Recht haben?

Und anstatt schreiend davon zu laufen, lächelt er und sagt: „Du bist mir Eine, meine kleine Baustelle.“

 

 

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