…mit Mann

Soviel schonmal vorab: Fasching (oder Karneval – man nenne es wie man wolle) ist eindeutig meine Lieblingsjahreszeit. Das war immer so und es wird wohl auch immer so bleiben. Für mich waren es immer die Abende mit dem größten Spaßfaktor und die Abende riesiger Freiheit. Genau aus diesem Grund habe ich eine Sache garantiert nicht getan: …auf Faschingsveranstaltungen mit meinem Freund auftauchen. Letztlich nannte ich dieses „Auf-Solo-Pfaden-Wandern“ Stressprävention. Denn wäre er dabei gewesen, hätte man eben weder ungeniert flirten noch inklusive Körperkontakt tanzen können. Nichts mit Bützchen. Und bloß nicht offensichtlich fremden Männern hinterher sabbern schauen.

Seit ein paar Tagen sehe ich das gänzlich anders. Vielleicht bin ich erwachsen geworden. Vielleicht vernebeln mir aber auch Glückshormone das Hirn. Egal welches Szenario ich wähle – ich will und werde zum ersten Mal „bemannt“ zum Fasching gehen. Und es wird keinen Stress geben. Weil ich eben nicht das Bedürfnis habe, über seine Schulter hinweg nach einem geeigneteren männlichen Wesen zu suchen. Weil ich eben weiß, dass er nicht sabbernd anderen Röcken hinterher hecheln wird.

Und während ich still und leise über mich selber schmunzeln muss, überlege ich in welchem Pärchenkostüm wir den morgigen Abend bestreiten werden… Noch im letzten Jahr hob ich beim Anblick dieser offensichtlichen romantischen Zweierbeziehungen zur Faschingszeit angewidert die Augenbraue.

In diesem Sinne: Helau!

Baustelle, die – Substantiv, feminin

Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Die höchsten Mauern baut man immer dann, wenn man sich vorrangig um sein Gegenüber und nicht mehr um sich selbst kümmert. Wenn man sich verbiegt, um dem Anderen zu gefallen und irgendwann vor dem Spiegel steht und sich fragt, wer genau einem da eigentlich gerade in die Augen schaut.

Rückblickend betrachtet war jeder Mann – egal ob als Freund oder Partner – in den vergangenen drei Jahren irgendeine Form von Baustelle. Irgendetwas gab es immer zu reparieren: nicht verarbeitete Ex-Freundinnen, zu kleine Egos, die gescheiterte Ehe, Misserfolge im Berufsleben,… Ich will gar nicht weiter darüber nachdenken, denn Fakt ist eins: Mit Dankbarkeit übersät wurde ich in den seltensten Fällen. Vielmehr verabschiedeten sich die irgendwann geheilten Seelen in ihr altes oder neues Leben und ich mauerte zielsicher einen weiteren Stein.

Während ich also nun doch mal wieder ein Guckloch in meine Mauer gebohrt habe, stehe ich neugierig und wartend dahinter und beäuge das neue Gegenüber. Begierig rutscht mir staccato-artig eine Abfolge wirrer Fragen über die Lippen: Warst Du verheiratet? Hast Du Kinder? Oder vielleicht irgendwie anderweitig unverarbeitete Ex-Frauen? Wie stehst Du zu Treue? Willst Du die wilde Partynacht oder doch lieber Abende zu zweit? Etwas Gemeinsames aufbauen oder auf der faulen Haut liegen? Gehst Du im Streit oder darf ich auch mal Recht haben?

Und anstatt schreiend davon zu laufen, lächelt er und sagt: „Du bist mir Eine, meine kleine Baustelle.“

 

 

Und dann sagt das Leben ‚Ich zeig’s Dir!‘

Silvester. Nach dem ein oder anderen Whiskey Sour zuviel, verkündete ich allen Freunden am Tisch: „Eins könnt ihr mal glauben – 2013 kommt mir kein Mann ins Haus!“ Dieser Satz rutschte mir voller Inbrunst über die Lippen und war wohl die verbalisierte Summe der gesammelten Erfahrungswerte des Jahres 2012. Unschwer zu erkennen: Lichtblicke hielten sich in Grenzen (Ich gebe zu, es wäre übertrieben zu behaupten, dass es gar keine gegeben hätte.)!

Heute, 20 Tage später, steht eines fest: Ich habe meine Rechnung ohne meinen Steuerberater aufgemacht. Und ohne seine bezaubernde Freundin. Knapp 14 Tage nach dem Jahreswechsel waren es nämlich genau die Beiden, die mir ein Prachtexemplar von Mann vor die Nase setzten, das mir nach einer Woche konsequentem Wehren und mit beiden Beinen dagegen stemmen nun doch viel zu Nahe kommt…

Und dabei hatte ich der Liebe doch abgeschworen; der Männerwelt den Krieg erklärt. Die kalte Schulter sollte in 2013 meine unschlagbare Waffe werden. Wieder einmal kam das Leben dazwischen. In einem Moment, in dem man am wenigsten damit rechnete…

Aber wie sagte schon Maya Angelou so schön: To those who have given up on love, I say, „Trust life a little bit.“

Examenskandidat

Foto: „Tag24 – Lernstress“ – by: phlipps

In meinem Leben hat sich in den letzten zwei Wochen einiges geändert. Ich habe ein neues Zuhause. Und eine neue große Liebe. Mein neuer Wohnraum heißt Bibliothek und der neue Freund trägt den Namen Ordner. Zugegeben – mein Freundeskreis hat sich auch erweitert: viele bunte Textmarker und Fineliner, Kulis und mein Lineal aus Schulzeiten. Mindestens 12 Stunden am Tag widme ich mich dieser neuen Sphäre meines Lebens. Es ist ein Traum. Ein Alptraum.

Parallel zum quasi nicht mehr vorhandenen sozialem Leben stieg auch der Konsum von Schokolade, TK-Pizza und Rotwein. Immerhin sollen diese heiligen, eben MEINE zwei Stunden am Abend besonders schön werden – wenn man schon mal so exorbitant viel Zeit für sich selbst hat.

Nun ja, in zwei Wochen ist der Zauber angeblich ein für alle mal vorbei. Es ist also eine Liebe auf Zeit. Eine nette Affäre sozusagen. Ende kommender Woche werde ich sowohl die Wohnung kündigen, als auch diese neue Beziehung beenden. Nur halb so traurig, aber wahr.

Manchmal

…frage ich mich, ob hier noch jemand ist…